In einer ausführlichen Recherche in Kiew und Umgebung haben wir mit Betroffenen des Unglücks gesprochen.
Viele der Arbeiter, Liquidatoren und deren Familienangehörige haben das Leben in der Stadt Pripyat vor dem Unglück als eine paradiesische Zeit beschrieben. Die gut bezahlte Arbeit im Atomkraftwerk in Verbindung mit einer neuen Wohnung in Pripyat war in dieser Zeit ein Traum für junge Familien. Viele sind aus unterschiedlichen Republiken der Sowjetunion nach Pripyat gezogen. Sie haben ihre ursprüngliche Heimat gegen den Traum von technischem Fortschritt und Wohlstand eingetauscht.
Auch Olgas Familie kam mit großen Hoffnungen aus Kirgisien nach Pripyat. Mit der Katastrophe wurde aus dem Traum ein Trauma. Das naturnahe Leben am gleichnamigen Fluss bildet nun gerade in der Erinnerung der Aussiedler einen starken Gegensatz zu ihrer Existenz in der Betonwüste der Millionenstadt Kiew. Geliebte Menschen starben und die neu gewonnene Heimat wurde zerstört. Mit der Verarbeitung dieses Verlustes hat auch noch die zweite Generation zu kämpfen. Das sind die "Kinder von Tschernobyl", die noch in der "Zone" aufgewachsen sind.

Die Zone ist ein 30 Kilometer weiter, eingezäunter Bereich rund um den Reaktor, der nach wie vor für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Seit einigen Jahren gibt es jedoch offiziell genehmigte Führungen für Touristen, Journalisten und Fachbesucher. Direkt am Reaktor befindet sich die heutige Geisterstadt Pripyat.